Biologisch – Organisch

 

 

Allzu oft wird mir die Frage gestellt, was denn der Unterschied von konventionellen Weinanbau zum biologisch organischen sei und ob dieser eine Auswirkung auf den Wein selbst hat…

Mein Verständnis dieser Arbeitsweise ist ganz einfach erklärt: biologisch organische Landwirtschaft und Weinbau bedeutet, dass gänzlich auf jede Form von chemischen Dünger, Herbizide, Pestizide oder Fungizide verzichtet wird. Die Basisarbeit stellt den Boden in den Fokus.  Gesunder,  humusreicher Boden bringt der Rebe ausreichend Nährstoffe und fördert ihr Immunsystem. Diese Bodengesundheit erreichen wir durch Einbringung von Kompost und einer bewusst auf den Boden abgestimmten Gründecke.  Bunt blühende, kreuz und quer wurzelnde Kräuter und Pflanzen werden zwischen den Reihen eingesät und bringen Beschattung, Durchwurzelung, Befeuchtung und Sauerstoff in den Boden, schenken Insekten und vielen unterirdischen Lebewesen wie Würmern einen kostbaren Lebensraum. Es summt und brummt im Weingarten in allen Tönen.

In der biologisch organischen Arbeit schützen wir die Reben je nach Vegetationsphase und Witterungsverhältnis mittels einer Sprühbrühe vor Pilzbefall. Diese kann unter anderem aus Backpulver, Fenchelextrakt, Schwefel oder Ackerschachtelhalmextrakt bestehen. Natürlich  garantiert alleine schon exakte Handarbeit beinahe  60 % des Erfolges des biologischen Anbaus. Es gibt kein Reagieren, alles muss gut bedacht und vorbereitet zur rechten Zeit passieren. Solch ein Weingartenjahr ist arbeits- und kostenintensiv, aber es lohnt sich, da dadurch vitale Reben und lebendiger Boden erhalten werden.

Biologisch-organisch – spürt man das?

Ja, die Aufwendungen und Arbeit spürt man im Wein. Seit 2006 arbeiten wir biologisch-organisch. Davor waren die Weingärten ordentlich und gewissenhaft bewirtschaftet, allerdings – und das kann ich nun nach mehr als zehn Jahren „bio“ beurteilen – waren die Reben aus dem Gleichgewicht. Bemerkbar machte sich das im Verlauf der Zuckerreife, die Abnahme der Säure verlief schneller, als sich Tannine und Aromen bilden konnten. Durch die biologisch-organische Bewirtschaftung hat sich ein gleichzeitiger Punkt von Zuckerreife mit der sogenannten physiologischen Reife eingestellt. Die Weine sind somit feiner, weniger alkoholhaltig, zeigen sich mit elegantem Tannin und bekömmlicher.

 

Nun stellt sich noch die Frage, was ist denn dann biodynamische Landwirtschaft?

Meine erste Begegnung mit dieser Form des Weinbaus war 1995 in Bordeaux, im Weingut Canon la Gaffeliere, wo gerade auf biodynamische Produktion umgestellt wurde. Zum damaligen Zeitpunkt schien das für mich zwar spannend und beinahe unerreichbar, sehr komplex und Manches eher seltsam. Dennoch war mir sofort klar, das ist definitiv mein Ziel – so möchte auch ich meine Weingärten bearbeiten. Noch hatte ich viel zu viel Respekt davor. Aber – wie das Leben so spielt, führten mich meine Kinder zur homöopathischen und anthroposophischen Medizin. Kein Antibiotikum war mehr notwendig, „kleine Kugerl“ – Globuli –  brachten sie wieder ins Gleichgewicht und zur Gesundung. Dieser Effekt ermunterte mich auch auf meinem Weingut weg von der konventionellen Arbeit tätig zu werden und wir begannen 2006 mit der Umstellung zum biologischen Anbau. Der erste Schritt war getan. Danach folgten zwei Jahre intensive Schulung. Das Gedankengut von Rudolf Steiner, Gründer der biodynamischen Landwirtschaft und Anthroposophischen Medizin  schwirrte in meinem Kopf umher. Wiederum brachten mich erst meine Kinder einen Schritt weiter. Denn 2007 gründeten wir gemeinsam mit drei weiteren Elternpaare die erste, burgenländische Waldorfschule (Sonnenlandschule).  Wir waren erstaunt, wie Kinder sich in dieser Schulform entwickeln und entfalten können – sowohl als Individuum, aber auch in der Gesamtheit. Im Zentrum standen hier gleiche Idee und Antrieb wie auch in der biodynamischen Landwirtschaft: Alles steht im Zusammenhang.

2011 gelang mir dann endlich der Umstieg. Als biodynamische Winzerin betrachte ich jede Pflanze als Individuum,  beachte  die Konstellation des Mondes und der Gestirne, unterstütze die Wachstums- und Reifekräfte der Natur:  Kuhhornpräparate (500, 501) sowie Brennnessel-, Ackerschachtelhalm-, Kamillentee und Kompostpräparate werden ausgebracht. All dies fördert Lebendigkeit und Gesundheit der Reben und Böden. Es ermöglicht Weine zu keltern, die lebendig sowie strahlend sind, Weine die berühren. Meine Weine werden im Keller begleitet, das Potenzial, das aus den Weingärten kommt, soll sich entwickeln können. Daher gibt es keine zusätzlichen Hilfsmittel. Nach den strengen Demeter Richtlinien wird ausschließlich Schwefel und Bentonit zur Stabilisierung verwendet. Grundsätzlich vergären die Weine spontan mit der Naturhefe. Es entstehen Weine mit Charakter und Unverwechselbarkeit.

Wer überprüft die Arbeit?

Garantiert wird All das durch die Bio-Kontrollstelle. Grundsätzlich ist diese Bio-Kontrolle freiwillig und auch kostenpflichtig. Für mich steht es aber außer Frage, meinen Kunden diese Garantie zu geben – verbunden mit einer klaren Aussage für das was ich stehe, wofür ich arbeite. Die Biokontrollnummer und der Demeter Siegel stellen auch nach außen den sichtbaren Garant dafür.  Es soll keine Hintertür offen sein, die in schwierigen Jahren die Arbeit erleichtern und das Risiko um einiges minimieren würde. Meine Einstellung dazu: Ein bisschen schwanger sein, geht ja auch nicht.

 

Lebenseinstellung und Lebenstraum

Es ist die Überzeugung und Lebenseinstellung von mir, meiner Familie und meinen Mitarbeitern, die sich in einem bunten, nach Kamillentee duftenden und von Insekten brummenden Weingarten extrem wohl fühlen und so mit viel Liebe und Engagement ihre Arbeit erbringen.

Als Winzerin sehe ich mich  insgesamt als Landschaftspflegerin.  Im Bewusstsein, dass ich das Land eigentlich nur von der nächsten Generation geliehen habe, bin ich verpflichtet auf das Land zu achten, das mir anvertraut wurde. Ich kann als Landwirtin  einen großen Beitrag zum Erhalt der Natur und zum Klimaschutz beitragen. Als Konsumentin kann ich mich entscheiden, welche Art von Landwirtschaft ich unterstütze, obendrein welche Form an „Lebensmittel“ ich meinem Körper zu Gute kommen lasse. Es ist mir daher ein Anliegen gesunde, lebendige Weine zu produzieren, die bekömmlich sind und freud- und genussvolle Stunden schenken.

Das ist mein Lebenstraum, an dem ich mit viel Engagement und Freude arbeite.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Genuss und Freude mit Biologisch Organisch-Biodynamischen Produkten!

Ihre Birgit Braunstein

„Es gibt nichts in der lebendigen Natur, das nicht im Zusammenhang mit dem Ganzen steht!“

Gottfried Keller

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